Wasserdruck im Mehrfamilienhaus: Druckerhöhungsanlagen, Mindestdruck und Mängelrechte
Wasserdruck im Mehrfamilienhaus: Druckerhöhungsanlagen, Mindestdruck und Mängelrechte
Im Dachgeschoss tröpfelt die Dusche, während im Erdgeschoss die Armaturen bei jedem Öffnen schlagen: Der Wasserdruck ist in Mehrfamilienhäusern eine häufige, aber selten systematisch behandelte Beschwerde. Dabei lassen sich die Ursachen gut eingrenzen – und die Zuständigkeiten ebenso.
Wie viel Druck geschuldet ist
Das Wasserversorgungsunternehmen stellt den Druck am Hausanschluss zur Verfügung; die Verteilung im Gebäude ist Sache des Eigentümers. Die technischen Regeln für Trinkwasserinstallationen gehen von einem Mindestfließdruck an der Entnahmestelle aus, der in der Regel bei etwa einem Bar liegt – bei Durchlauferhitzern und Thermostatarmaturen deutlich höher. Als Faustformel gilt: Jeder Meter Höhe kostet rund 0,1 Bar. Ab dem vierten bis fünften Obergeschoss wird es daher ohne Unterstützung meist knapp.
Wann eine Druckerhöhungsanlage nötig wird
Reicht der Versorgungsdruck für die oberen Geschosse nicht aus, kommt eine Druckerhöhungsanlage in den Hausanschlussraum. Moderne Anlagen arbeiten mit drehzahlgeregelten Pumpen und halten den Druck unabhängig von der Entnahmemenge konstant. Bevor investiert wird, lohnt eine Messung: Häufig liegt die Ursache nicht im Versorgungsdruck, sondern in verkalkten Leitungen, einem zugesetzten Filter, einem falsch eingestellten Druckminderer oder einem defekten Membranausdehnungsgefäß.

Wartung, Trinkwasserhygiene und Betriebsstrom
Eine Druckerhöhungsanlage ist eine Trinkwasseranlage und unterliegt denselben Hygieneanforderungen wie die übrige Installation. Erforderlich sind regelmäßige Wartung nach Herstellerangaben, die Prüfung des Vordrucks im Ausdehnungsgefäß und die Vermeidung von Stagnation – bei Leerstand also ein geplantes Spülregime. Der Strom für die Pumpen zählt zu den Betriebskosten und wird über die Wasserkosten oder den Allgemeinstrom abgerechnet; die Wartung ist ebenfalls umlagefähig, Reparaturen dagegen nicht.
Zu hoher Druck ist das teurere Problem
Liegt der Druck in den unteren Geschossen dauerhaft hoch, nehmen Armaturen, Dichtungen und Geräteanschlüsse Schaden, Druckstöße verursachen Geräusche und erhöhen das Risiko eines Rohrbruchs – und der Wasserverbrauch steigt spürbar. Abhilfe schafft ein zentraler Druckminderer hinter der Hauptabsperrung, gegebenenfalls ergänzt um Minderer in den unteren Strangabschnitten. Auch dieses Bauteil braucht Wartung: Ein zugesetzter Druckminderer ist eine der häufigsten Ursachen dafür, dass im ganzen Haus plötzlich der Druck fehlt.
Zuständigkeit, Mängelrechte und Kostenverteilung
Steigleitungen und Druckerhöhungsanlage gehören zum Gemeinschaftseigentum; Instandhaltung und Erneuerung beschließt die Eigentümerversammlung, die Kosten werden nach dem geltenden Verteilungsschlüssel getragen. Erst ab der Abzweigung in die Wohnung beginnt das Sondereigentum. Im Mietverhältnis kann ein dauerhaft unzureichender Wasserdruck einen Mangel darstellen, der zur Mietminderung berechtigt – der Umfang hängt vom Einzelfall ab. Für die Verwaltung heißt das: Beschwerden mit Messwerten und Uhrzeit dokumentieren, statt nach Eindruck zu entscheiden.
Bildquellen: Titelbild – Quelle: Pexels, Fotograf/Beitragender: Jonathan Cooper | Bild 1 – Quelle: Pexels, Fotograf/Beitragender: Pavel Danilyuk. Lizenz: Pexels License (kostenlose kommerzielle Nutzung, keine Namensnennung erforderlich – hier dennoch zur Transparenz angegeben).



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