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Solarthermie im Mehrfamilienhaus: Warmwasser von der Sonne

14. Sept.
2 Min. Lesezeit

Solarthermie im Mehrfamilienhaus: Warmwasser von der Sonne

Während Photovoltaik auf vielen Dächern längst Standard ist, führt die Solarthermie ein Schattendasein – zu Unrecht. Sie wandelt Sonnenlicht nicht in Strom, sondern unmittelbar in Wärme um und erreicht dabei deutlich höhere Flächenerträge. Gerade Mehrfamilienhäuser mit hohem und über das Jahr gleichmäßigem Warmwasserbedarf sind dafür gut geeignet.

Wie eine Solarthermieanlage funktioniert

Auf dem Dach liegen Kollektoren – meist einfache Flachkollektoren, seltener die leistungsfähigeren Vakuumröhrenkollektoren. In ihnen zirkuliert eine frostsichere Wärmeträgerflüssigkeit, die sich in der Sonne erwärmt und ihre Energie über einen Wärmetauscher an einen Pufferspeicher im Technikraum abgibt. Reicht die Sonnenwärme nicht aus, heizt der vorhandene Wärmeerzeuger nach. Die Anlage ersetzt die Heizung also nicht, sondern entlastet sie.

Wärmeerzeuger und Speichertechnik im Technikraum eines Wohngebäudes – hier wird die Solarwärme eingespeist

Warmwasser oder zusätzlich Heizungsunterstützung?

Für Mehrfamilienhäuser ist die reine Trinkwassererwärmung meist die wirtschaftlichere Variante: Der Warmwasserbedarf fällt das ganze Jahr über an, auch im Sommer, wenn die Erträge am höchsten sind. Als Faustwert wird rund ein bis eineinhalb Quadratmeter Kollektorfläche je Person angesetzt; damit lässt sich häufig etwa die Hälfte des jährlichen Warmwasserbedarfs decken. Anlagen mit Heizungsunterstützung brauchen deutlich mehr Kollektorfläche und größere Speicher – im Bestand oft eine reine Platzfrage. Wichtig ist in jedem Fall die Abstimmung mit dem Legionellenschutz: Speichertemperaturen und Zirkulation müssen den Anforderungen der Trinkwasserverordnung genügen.

Kosten, Förderung und Wirtschaftlichkeit

Die Investitionskosten hängen stark von Anlagengröße, Dachsituation und Aufwand für Leitungsführung und Speicher ab. Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude werden Solarthermieanlagen als Einzelmaßnahme bezuschusst; zusätzlich kann die Anlage dazu beitragen, die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes an den Anteil erneuerbarer Energien zu erfüllen. Da Fördersätze und Bedingungen regelmäßig angepasst werden, sollte der aktuelle Stand vor der Beschlussfassung geprüft und in die Angebote eingerechnet werden. Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung über die gesamte Nutzungsdauer ist aussagekräftiger als der reine Angebotspreis.

Der Beschluss in der Eigentümergemeinschaft

Die Installation ist eine bauliche Veränderung nach § 20 WEG und wird mit einfacher Mehrheit beschlossen. Für die Kostenverteilung kommt es auf § 21 WEG an: Sollen alle Eigentümer die Kosten tragen, muss der Beschluss entweder mit mehr als zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen und der Hälfte der Miteigentumsanteile gefasst werden, oder die Maßnahme muss sich innerhalb eines angemessenen Zeitraums amortisieren. Bewährt hat sich ein gestuftes Vorgehen: zunächst ein Beschluss über Planung und Fachplanerbeauftragung, danach die Vergabe auf Basis belastbarer, vergleichbarer Angebote.

Betrieb, Wartung und Abrechnung

Solarthermie ist wartungsarm, aber nicht wartungsfrei. Anlagendruck, Frostschutzgehalt der Wärmeträgerflüssigkeit und die Funktion der Solarpumpe sollten jährlich im Rahmen der Heizungswartung geprüft werden. Ein Wärmemengenzähler im Solarkreis macht den Ertrag sichtbar und deckt Störungen früh auf – ohne ihn bleibt ein Ausfall der Anlage oft monatelang unbemerkt. Für die Abrechnung gilt: Die solar erzeugte Wärme senkt den Brennstoffverbrauch und wirkt sich damit unmittelbar in der Heizkostenabrechnung aus. Eine gesonderte Umlage der Solarwärme ist nicht erforderlich.

Fazit

Solarthermie ist keine Konkurrenz zur Photovoltaik, sondern eine sinnvolle Ergänzung – besonders dort, wo das Dach ohnehin saniert wird und der Warmwasserbedarf hoch ist. Entscheidend sind eine realistische Auslegung, ein sauber vorbereiteter Beschluss und ein Monitoring, das den Ertrag über die Jahre nachweist. Wer diese drei Punkte beachtet, erhält eine robuste Technik mit langer Lebensdauer und planbaren Einsparungen.

Bildquellen: Titelbild – Quelle: Pexels, Fotograf/Beitragender: Centre for Ageing Better | Bild 1 – Quelle: Pexels, Fotograf/Beitragender: alpha innotec. Lizenz: Pexels License (kostenlose kommerzielle Nutzung, keine Namensnennung erforderlich – hier dennoch zur Transparenz angegeben).

 
 
 

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