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Blockheizkraftwerk in der WEG: Technik, Wirtschaftlichkeit und Beschlussfragen

  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Blockheizkraftwerk in der WEG: Technik, Wirtschaftlichkeit und Beschlussfragen

Im Heizungskeller steht kein Kessel, sondern ein Motor. Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) verbrennt Gas, treibt damit einen Generator an und nutzt die dabei entstehende Abwärme zum Heizen. Diese Kraft-Wärme-Kopplung erreicht Gesamtwirkungsgrade von 85 bis über 90 Prozent – deutlich mehr, als wenn Strom im Großkraftwerk und Wärme im Heizkessel getrennt erzeugt werden. Für größere Wohnanlagen ist das rechnerisch attraktiv. In der Praxis entscheidet aber weniger die Technik als die Frage, ob das Nutzungsprofil passt.

Wann sich ein BHKW rechnet

Ein BHKW ist wirtschaftlich, wenn es lange läuft. Als Faustregel gelten 4.000 bis 6.000 Vollbenutzungsstunden im Jahr. Erreicht wird das nur, wenn ganzjährig Wärme abgenommen wird – die Anlage wird deshalb nicht auf die Spitzenlast ausgelegt, sondern auf etwa 20 bis 30 Prozent der Heizlast und deckt so 50 bis 70 Prozent der Jahreswärme. Die Spitzen übernimmt ein zusätzlicher Kessel, ein Pufferspeicher glättet den Betrieb.

Besonders günstig sind Objekte mit hohem, gleichmäßigem Warmwasserbedarf. Gut gedämmte Neubauten mit kurzer Heizperiode sind dagegen selten geeignet. Der wirtschaftliche Hebel liegt beim Strom: Selbst genutzter Strom ersetzt teuren Netzbezug, eingespeister Strom wird nur gering vergütet. Je mehr Strom im Haus bleibt, desto besser die Rechnung.

Industrielle Maschine mit Rohrleitungen in einem Technikkeller als Sinnbild für die Anlagentechnik eines Blockheizkraftwerks im Mehrfamilienhaus

Förderung und Steuerfragen

Das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) sieht für den erzeugten Strom Zuschläge vor; kleine Anlagen können zudem von der Energiesteuer auf den eingesetzten Brennstoff entlastet werden. Gleichzeitig gilt: Sobald die Gemeinschaft Strom gegen Entgelt an Dritte liefert, verlässt sie den Bereich der reinen Selbstverwaltung.

Die Folge kann eine gewerbliche Tätigkeit mit Umsatzsteuerpflicht sein – für eine WEG, die sonst nur Hausgeld verwaltet, ein spürbarer Mehraufwand. Auch die Lieferung an die eigenen Eigentümer ist nicht automatisch unkritisch. Vor dem Beschluss gehört deshalb eine steuerliche Prüfung dazu, ebenso die Entscheidung über das Betriebsmodell: Eigenbetrieb, Verpachtung an einen Dienstleister oder Contracting, bei dem ein Anbieter investiert und betreibt.

Der Beschluss in der Eigentümerversammlung

Die Errichtung eines BHKW ist regelmäßig eine bauliche Veränderung nach § 20 WEG und kann mit einfacher Mehrheit beschlossen werden; die Kostenverteilung richtet sich nach § 21 WEG. Ersetzt die Anlage lediglich einen defekten Kessel, kann auch eine modernisierende Instandsetzung vorliegen.

Belastbar wird der Beschluss erst mit belastbaren Zahlen. Dazu gehören eine Wirtschaftlichkeitsberechnung über die Nutzungsdauer, Vergleichsangebote, die Wartungskosten und die Angabe, wer den Strom abnimmt. Zu bedenken ist außerdem die Laufzeit: Wer heute in eine gasbetriebene Anlage investiert, sollte die kommunale Wärmeplanung und die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes im Blick behalten.

Betrieb und Wartung

Ein BHKW ist ein Motor und braucht entsprechende Pflege: Ölwechsel, Zündkerzen und Filter stehen typischerweise alle 3.500 bis 6.000 Betriebsstunden an. Üblich sind Vollwartungsverträge mit Fernüberwachung, die nach Betriebsstunden abgerechnet werden. Diese Kosten gehören in den Wirtschaftsplan, nicht in die Erhaltungsrücklage. Auch Schallschutz und Abgasführung sind sorgfältig zu planen, damit der Motorbetrieb im Keller nicht zum Nachbarschaftsthema wird.

Fazit

Das BHKW ist keine Anlage für jedes Haus, in großen Beständen mit konstantem Wärmebedarf aber nach wie vor eine ernsthafte Option. Entscheidend sind ehrlich gerechnete Vollbenutzungsstunden, ein klares Strommodell und die frühzeitige steuerliche Klärung. Wer diese drei Punkte vor der Versammlung beantwortet, trifft eine tragfähige Entscheidung – wer sie überspringt, finanziert eine Anlage, die im Sommer stillsteht.

Bildquellen: Titelbild – Quelle: Pexels, Fotograf/Beitragender: МОБО Модульные Котельные | Bild 1 – Quelle: Pexels, Fotograf/Beitragender: Jonathan Cooper. Lizenz: Pexels License (kostenlose kommerzielle Nutzung, keine Namensnennung erforderlich – hier dennoch zur Transparenz angegeben).

 
 
 

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